Bahnangst vs. Flugangst

Ich würde mich ja als eher erfahrenen Reisenden betrachten – gerade, wenn es um weitere Strecken geht. Fliegen finde ich eigentlich angenehmer als Bus fahren und am Flughafen fühle ich mich sowieso heimischer, als an irgendeinem Kaffbahnhof mitten im Nirgendwo zu erfrieren. Allein dieser Ruf der Ferne, die vielen Kulturen, aufeinanderprallend, sich gegenseitig ausweichend, einen Tanz tanzend, der keinem bestimmten Rhythmus aber doch ähnlichen Mustern gleicht. Ich werde jetzt sicher nicht zum Poeten, aber ich zähle mich zu den nicht wenigen Menschen, die gerne an einem Flughafen sind.

Gleichzeitig hat das Fliegen an sich aber für mich seine große, furchteinflößende Faszination verloren. Durch die umfassende Kontrolle kann es einem nichtmal passieren, dass man aus Versehen in das falsche Flugzeug steigt. Bei der Bahn schon. Das weiß ich. Aus Erfahrung.

Mitunter deshalb machen mich längere Bahnfahrten nervös. Tausend Dinge gehen mir durch den Kopf: Streiken die Lokführer wohl? Gibt es technische Defekte? Personenschaden? Verschlafe ich den Umstieg? Ist der Zug pünktlich? Verpasse ich den Anschluss?

Und das ist nicht unbegründet. Während ich das hier schreibe, sitze ich in Köln im ICE, in dem spontan wegen eines Defekts der halbe Zug von hinten nach vorne umsteigen muss. Jetzt ist es fragwürdig, ob ich meinen Anschlusszug noch bekomme.

Kann im Flugzeug auch passieren klar. Auch da hab ich schon wegen Verspätung den Anschlussflug verpasst. Der Unterschied ist aber, dass man dann auf Kosten der Fluggesellschaft im Hotel übernachtet und am nächsten Tag fliegt. Und das ist doch der springende Punkt: Wenn ich ein Ticket kaufe, verspricht mir der Dienstleister (ob Airline oder Bahn sei mal dahingestellt) doch, mich für den gezahlten Preis in voraussichtlich dieser Zeit von A nach B zu bringen. Falls ich aber in X hängen bleibe, weil sich mein Transportmittel – von mir unverschuldet – verspätet, muss doch der Transportierende schauen, dass er mich irgendwie weiterbefördert. Zum selben Preis. Und mich entsprechend versorgt, bis er das kann.

Ich glaube, da fehlt der Bahn ein echter Wettkampf, ein Monopol lässt einen schnell mal leichtsinnig werden, wenn es um Begriffe wie Kundenzufriedenheit geht. Eine Airline ist sich dessen tagtäglich bewusst und kämpft deshalb auch um den einzelnen Kunden.

Andererseits wird einem in keiner Airline das klassische “Sänk ju for trävelling wis Deutsche Bahn” so konsequent falsch ausgesprochen, dass es fast schon wie Absicht klingt, um die Ohren geworfen. Und für das ich jedes Mal die Musik pausiere und sehe, wie es den Mitreisenden ein Lächeln auf die Lippen zaubert.

Ein Kommentar

  1. […] meiner Bahnangst riskiere ich es also: Fernreise per Bahn mitten im Tarifkrieg Tarifstreit. Was ich vom Streik […]

    7. November 2014
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