Das regelt sich doch von alleine

(Kleine) Kinder und Regeln, das ist ja so eine Sache. Grenzüberschreitungen dienen seit frühester Kindheit und nicht erst in der Pubertät dazu, auszuprobieren, wie weit man gehen kann. Manche Kinder lernen ganz schnell, was sie sich erlauben können, andere brauchen lange und reizen bis weit nach der Pubertät die Grenzen des Machbaren und Erlaubten aus. Und ich finde Regeln doof.

Regeln sind da, um gebrochen zu werden.

-Jesus

Ich könnte jetzt ausschweifend erklären, dass ich Regeln nicht mag, weil sie mich in meiner persönlichen Freiheit beschränken und den Alltag langweilig machen, weil die Befolgung von Regeln zu vorhersehbaren Ergebnissen führt. Ich könnte es aber auch lassen. Und genau um dieses “könnte” geht es mir eigentlich. Regeln reduzieren einen Konjunktiv auf einen Imperativ, sie verhindern ergebnisoffene Spontanaktionen und sie machen einfach nicht so viel Spaß. Und erstaunlicherweise werden die Menschen geradezu dazu getrimmt, sich an Regeln zu halten, weil sie sonst in die Hölle kommen oder von Knecht Ruprecht mit der Rute bestraft werden. Das deutet darauf hin, dass die Menschen wohl eigentlich dazu neigen, Regeln zu brechen oder einfach gar keine zu wollen. Fragt man Frauen, wollen die meisten in der Regel nicht die Regel haben. Fragt man Männer, dann sind sie es leid, die Abseitsregel Frauen in der Regel erklären zu müssen. Und ist nicht ein Regal (ein Kompositum aus “Regel” und “egal”) der Ort, an dem man alles ohne Ordnung verstauen kann und es dann noch als Dekoration gilt?

Ja, ich habe ein Problem mit Regeln, aber auch ich muss zugeben, dass sie in manchen Fällen sinnvoll sind. Zum Beispiel steht auf dem Reibekäse meines Vertrauens “Nach Anbruch der Packung den Käse rasch verbrauchen”. Das ist eine total gute Regel, an die ich mich auch problemlos halten kann. Auch würde es mir im Traum nicht einfallen, gegen  §27 Abs. 6 StVO zu verstoßen, denn wer im Gleichschritt über eine Brücke marschiert, kann diese zum Einsturz bringen. Ist mir zwar noch nie passiert, aber ich stelle es mir eher ungesund vor.

Wer sinnlose Gesetze googlet, wird schnell fündig: Die Menschen, die uns behüten und leiten sollen, haben erstaunlich viele Gesetze erlassen, die so sinnlos sind, dass es darüber mehrere Bücher gibt.

Eine Toilette ist auch eine Wahlurne
Wählen gehen in Tschechien

 

Vor diesem Hintergrund wäre es doch sicher interessant, sich eine Welt auszumalen, in der es keine Regeln gibt. Der Wilde Westen 2.0 sozusagen. Ich nehme ganz stark an, dass sich die Menschheit nicht lange in dieser Welt halten könnte. Aber das regelt sich sicher von alleine.