Ich und die Kirche

Ich bin ja eigentlich gegen Zwänge, aber ich war heute in der Kirche. Sie war katholisch und kalt. Dennoch musste ich, um am nachfolgenden Kommunionsessen teilnehmen zu dürfen, diesem Gottesdienst am dritten Sonntag der Osterzeit beiwohnen. Es gab Braten mit Pommes Frites und Spätzle, zum Nachtisch Vanilleeis mit heißen Himbeeren. Zum Essen, nicht in der Kirche. In der Kirche gibt es selten etwas zu essen, nur Oblaten, die ich sonst nur von Weihnachtsbrötchen kenne, hier aber Menschenfleisch symbolisieren sollen. Dazu einen Schluck Blut Wein, aber nicht für jeden. Einzig ein kleiner Kreis hochrangiger Kirchgänger, darunter auch der Papst, hat die Befugnis, in der Kirche Alkohol zu trinken. Ich fragte mich, wie ein normaler Gottesdienst wohl aussehen würde, wenn es genau umgekehrt wäre. Alle, außer dem Pfarrer trinken Wein, das wäre der reinste Kindergeburtstag und da ist doch auch jeder gern hingegangen.

Da sich diese schöne Vorstellung leider nur in meinem Kopf ausbreiten konnte, blieb es bei ebendieser. Ich verstand aber direkt im Anschluss, warum es danach Essen gibt. Erstens füllt so eine Hostie gerade einmal den hohlen Zahn und zweitens dürfen bei der anschließenden Mahlzeit alle außer dem Pfarrer trinken.

„HAH! Jetzt weißt du, wie es mir ging!“ dachte ich. „Nein danke, ich muss noch fahren!“ sagte ich. Und ärgerte mich. Nicht über die verpatzte Möglichkeit, Alkohol am helllichten Tag im Kreise der Familie ohne schlechtes Gewissen zu mir zu nehmen, sondern über die unnötigen Worte der Verneinung, denn eigentlich sind für Männer zur Kommunikation mit anderen Lebewesen nur verschiedene Formen von „Hmm“ nötig.

Beispiel?

  • „Willst du noch ein Bier?“ – „Hmmmm!!!!“
  • „Musst du heute fahren?“ – „Hmmmm…“
  • „Gehst du erst in die Kirche oder direkt zum Essen?“ – „…mhm…“

Nichtsdestotrotz behielt ich erfolgreich meine angeborene Lässigkeit bei, als ich zufrieden meine Fanta durch einen Strohalm nuckelte.

Ich wollte dann auch gleich meine eigene Kirche gründen, in die jeder einfach kommen kann, wann er will. Diese Kirche wäre viel effizienter und billiger als die katholische, da ich keinerlei Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen oder zu pflegen hätte. Denn wer geht schon in die Kirche, wenn er eine Wahl hat? Die, die das tun, haben schon eine Stammkirche mit eingraviertem Namen auf der Stammsitzbank am Stammsitzplatz und müssen ihr Kissen nicht mitbringen, weil es immer dort hängt. Und die anderen kommen eh nicht,zwingen kann man sie ja auch nicht, das widerspricht meiner Natur, deshalb brauche ich diese Kirche nur zu gründen und kann an meinem Todestag vor das Jüngste Gericht treten und stolz sagen:

„Jesus! Ich habe es versucht! Aber ihr Fleisch war schwach und wieso ist deine Nase rot?“

Und Jesus würde sagen: „Meine Nase ist rot, weil das Wasser, das ich trinken will, immer zu Wein wird!“ und ich würde sagen: „Achso!“ und er würde antworten: „Hmm!“

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