Leberwurst und Essiggurken – Freundschaften fürs Leben

Freunde zu finden, ist schwierig, ich weiß. Ich habe auch keine, weil ich habe einen Blog und bin einer dieser Nerds, die in der Schule früher in den Spind gesperrt wurden und jetzt immer noch nicht cool sind, obwohl Iron Man salonfähig geworden ist.

Wenn man aber welche gefunden hat, ist es noch viel schwieriger, diese zu behalten. Schließlich gehen mit Freundschaften auch Pflichten einher. Man muss immer erreichbar sein, mitten in der Nacht auf fremden Toiletten fremde Haare halten und muss zwingend den Freund oder die Freundin darauf hinweisen, wenn er oder sie 2 kg zugenommen hat. Das ist nicht immer schön.

Als wenn das nicht genug wäre, muss man sich meist auch noch unterhalten. Reden. Die meisten meiner Freunde waren bisher wenig begeistert, wenn ich sie besucht und dann einfach nur 4 Stunden angestarrt habe. Eigentlich war keiner begeistert, vor allem nicht, wenn ich zum anstarren nichtmal reingekommen bin, sondern im Baum vor dem Fenster saß. Verrückt.

Deshalb bin ich aber mittlerweile dazu übergegangen, Gesprächsstoff zu pflanzen. Das hat zwei Vorteile: Erstens bietet der Pflanzvorgang an sich schon genügend Gesprächsstoff für einen Spielnachmittag, andererseits kann man später nochmal eine angenehme Diskussion ernten. Ein Beispiel: Im Rahmen irgendeiner Tätigkeit, die ich zusammen mit Freunden unternehme, erwähne ich beiläufig die geschmackliche Inkompabilität von streichfähigen Kochwurstsorten und jungen, unreifen Gurken, die mit einem kochenden, gewürzten Essig-Kräuter-Sud übergossen und dadurch pasteurisiert worden sind. Ich sage dann beispielsweise: „Weißt du, was eklig ist?“ und füge, ohne eine Antwort abzuwarten, hinzu: „Leberwurstbrot mit Essiggurken!“ Die Saat ist vollzogen, ich habe meine Meinung kundgetan und kann jederzeit auf dieses Statement zurückgreifen, ginge mir einmal der Gesprächsstoff aus. Nun gilt es aber, den Samen zu düngen und zu gießen, auf dass er sein volles Potential entfalte und sich zu einer langanhaltenden, die Freundschaft stärkenden Debatte entwickle.

Viele Menschen finden nämlich, dass das gar nicht eklig ist, also Leberwurstbrot mit Essiggurken. Auf Basis dieser Meinungsdifferenz entwickelt sich deshalb meist eine intellektuell anspruchsvolle Debatte, die sich ungefähr wie folgt abspielt:

„Nein!“ – „Doch!“ – „Nein!“ – „Doch!“ – „Nein!“ – „Doch!“ – „Nein!“ – „Doch!“ – „Nein!“ – „Bist du schwanger?“ – „Konnte Karl mal wieder seinen Mund nicht halten? Bitte sag es noch nicht weiter!“……..Der Mittag ist gerettet!

Zu einem späteren, gesprächsstoffarmen Zeitpunkt kann man nun diese Saat ernten. Das bietet sich, aufgrund der Leberwurstkonstante, beim Frühstück an. Ich nehme mir ein Brot, darauf kommt dick Butter und eine Riesenportion Leberwurst. Mein Gegenüber genau im Auge behaltend, belege ich dieses Brot dann mit Cornichons, die ich extra zu diesem Zweck gekauft habe. Aufgrund der einige Zeit früher stattgefundenen Diskussion über Geschmack und Leberwurst, die immerhin zur Aufdeckung einer heimlichen Schwangerschaft geführt hatte, folgt dann der spaßige Teil der Logoagrarwirtschaft. Man erntet zuerst ungläubige Blicke und dann den gesäten Stoff. Es folgt eine Diskussion, bei der man niemals zugeben darf, dass man behauptet hätte, Leberwurstbrot mit Essiggurken würde eklig schmecken. Wenn man den Gesprächspartner (=Freund)  bis an den Rand des Weißbrots der Weißglut getrieben hat, gibt man unumwunden zu, dass es doch sein könnte, dass man das mal gesagt hätte. Es handele sich ja hier auch um Cornichons und keine Essiggurken, da bestünde ein himmelweiter Unterschied, auch wenn gar nicht geklärt ist, wie weit eigentlich so ein Himmel ist und wie viele Meter eine Himmelweite hat.

Irgendwann ermüde auch ich, habe ich genug Lebenskraft aus der Wut des anderen und der Diskussion um der Diskussion willen gesogen und antworte in schnippischem Ton, dass ich meine Meinung eben geändert hätte, das sei doch nicht verboten, oder? Außerdem hätte ich die Diskussion ja nicht angefangen und überhaupt kann ich doch essen was ich will, ich bin ja nicht schwanger.

Das ist eine der wenigen Situationen, in denen ich dann die Logik verstehe, nach der die Freundin argumentiert.

 

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