Sex oder Kuchen?

Die schwierige Aufgabe, neue Mitbewohner zu finden, wird ja in den heutigen Zeiten immer weniger schwierig. Die Wohnungsknappheit in den Unistädten lässt den Ansturm auf freie WG-Zimmer immer mehr zu einer Aufgabe ähnlich anspruchsvoll wie die Jobsuche werden. Da werden Anzeigen geschaltet und WG-Castings durchgeführt. Man will ja schließlich nicht irgendeinen Mitbewohner, sondern einen Menschen, der idealerweise in das Sozialgefüge der bestehenden WG hineinpasst und diese um seine Persönlichkeit bereichert.

Der Unterhaltungswert des Ganzen liegt auf der Hand: Die gesamte WG findet sich zum Happening zusammen, trinkt Bier und empfängt hoheitsvoll die Anwärter, wobei versucht wird, möglichst intelligente Fragen zu stellen, bei deren Beantwortung der Kandidat die Möglichkeit hat, seine Tauglichkeit unter Beweis zu stellen. Eine sehr wichtige dieser Fragen lautet: Sex oder Kuchen?

Nun bin ich ja selbst schon hauptberuflich Mitbewohner und befinde mich somit auf der gemütlichen Seite der Couch, möchte mich aber trotzdem einmal mit genau dieser Frage auseinandersetzen:

Als zu Ironie und Sarkasmus neigender Mensch würde die Antwort natürlich erst mal “Kuchen” sein. Da man als ahnungsloser Bewerber auf das Zimmer die Befrager nicht kennt, weiß man nicht, ob es eventuell eine interne Regel gibt, nach der die Beantwortung der Frage mit Kuchen gleich zum Auschluss führt. Profanerweise hat man natürlich auch erstmal Hemmungen, gleich Sex zu sagen. Deshalb würde ich wohl zu beidem tendieren. Obwohl “Beides” sicher keine erlaubte Antwort in diesem Spiel ist, müsste man sich natürlich die Frage stellen, ob “beides” auf Kuchen essen beim Sex oder Sex mit Kuchen hinausläuft. Ersteres ist sicher nicht einmal so ungewöhnlich, manche Leute stehen eben mehr auf Schwarzwälder Kirschtorte im Bauchnabel anstatt auf “diese Bier die so schön geprickelt ‘at…” und Sex mit Kuchen wurde uns ja in jungen Jahren in American Pie vorgemacht.

Geschmackssache also. Aber wie gesagt, keine erlaubte Antwort. Andererseits könnte man ja auch über die Sinnhaftigkeit der Frage an sich diskutieren. Spitzfindig, wie ich bin, fällt mir nämlich bei Kuchen gerade auch die Torte ein und als solche wird ja gerne mal umgangssprachlich und manchmal auch respektlos von einer Frau gesprochen. Vom Aussprechenden meistens in Bezug auf ihr begehrliches Aussehen reduziert, impliziert er oftmals sein Bedürfnis, mit dieser “Torte” in koitale Interaktion zu treten. Diese Interpretation führt also die Frage an sich ad absurdum; sie lautet dann: Sex oder Sex?

Womit wir wieder beim Drang zum Witzigsein angelangt sind, in diesem Falle entscheide ich mich nämlich für Kuchen.

Schokokuchen oder –kekse jeglicher Form dürfen gerne persönlich oder per Post an den Autor dieses Textes überbracht werden. Eine digitale Würdigung auf dieser Webpräsenz als Zeichen unendlicher Dankbarkeit wird in Aussicht gestellt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Angehörige der beteiligten Firmen (keine) sind zur Teilnahme verpflichtet.

15 Comments

  1. Lille said:

    Ich weiss es zwar schon länger aber du hast nen Knall 🙂

    18. November 2014
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    • Flashbash said:

      Ich weiss, dass du das schon länger weisst…lassen wir das, das führt doch nur im Kreis!
      Ich arbeite noch an einer Gleichung und einer Skala zum ausdrucken fürs Tagebuch. Wenn ich das fertig hab, was hab ich dann? Einen Urknall? :p

      Schön, dass es dich noch gibt übrigens 🙂

      18. November 2014
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  2. Christiane said:

    Eine sehr tiefgründige Frage…

    Sex oder Kuchen? Ich kann beides!

    Als Bewerber_in kann man natürlich dann die Bewohner und Bewohnerinnen bewerten und offen auslegen, mit wem ja, mit wem nein….

    Noch viel tiefgründiger kann man eigentlich nur mit dem Kuchen antworten. Weil erstens: Hallo, KUCHEN!!! <3
    Und zweitens überlebt man länger ohne Sex als ohne Nahrung und Kuchen gleich Nahrung…

    Außer man ist eine Schwarze Witwe, dann sieht die Debatte wieder anders aus…

    Kuchen sind aber keine Torten. Und Torten keine Kuchen. Kuchen werden gebacken und "sind fertig", Torten werden die Böden gebacken, dann werden sie zusammen gepanscht, dekoriert und tadaaaa… also kann man jetzt sagen, dass die Schlussfolgerung Sex oder Sex an und für sich falsch ist, weil sie auf einer falschen Überleitung her basiert.
    … aber ob Torte oder Kuchen ist beides nicht gut für die Hüften.
    (Und wenn man nen Gescheiter ist, ist auch Sex manchmal nichts für die Hüften)

    Never Ending Story 😀

    19. November 2014
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    • Flashbash said:

      Und eine sehr tiefgründige Antwort… 😉

      Direkt beim WG-Casting zu erklären, mit wem man schlafen würde und mit wem nicht, finde ich eine gute Idee. So sind etwaige Missverständnisse gleich aus dem Weg geräumt!

      Schwarze Witwen schließe ich jetzt mal kategorisch aus, die haben zu viele Beine, zu viele Augen….

      Für mich fallen Kuchen, Torten und Muffins alle in die gleiche Kategorie: Viel zu leckere Todsünde. Deshalb lehne ich mich zwar weit aus dem Fenster mit dieser Herleitung, für mich zumindest ist das aber total akzeptabel, Kuchen und Torten gleichzusetzen 🙂 Ich weigere mich einfach, die Realität anzuerkennen. Kann ich sehr gut!

      Deinen letzten Satz verstehe ich nicht ganz, Sex ist doch eigentlich immer gut für die Hüften, oder?

      20. November 2014
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      • Christiane said:

        Naja, war so gemeint der letzte Satz, dass wennst halt paar Verrenkungen machst und nicht so der gelenkige Typ bist und es doof anstellst (ein Gescheiter bist ;)), kannst dir irgendwas kaputt machen, wie die Hüfte 😉

        20. November 2014
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        • Flashbash said:

          Okay, da hat mir die Sprachbarriere Steine in den Weg gelegt. Bei uns ist nämlich ein Gescheiter genau das gegenteil, jemand, der es geschickt (oder eben gescheit) anstellt… 😀

          Aber so hast du natürlich recht 🙂

          20. November 2014
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  3. Caro said:

    Sehr interessante Frage, warum wurde ich sowas nie gefragt?!
    Ich hätte es wahrscheinlich so interepretiert wie: Stehst du auf Kaffeekränzchen oder Sex, Drugs and Rock’n’Roll? Da Kaffeekränzchen eher nichts für mich sind, hätte ich demnach letzteres gewählt. Sollte ich jemals wieder in die Verlegenheit kommen ein WG-Casting durchführen zu müssen, wird diese Frage auf jeden Fall in den Fragenkatalog aufgenommen.

    20. November 2014
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    • Flashbash said:

      Das ist durchaus eine interessante Interpretation, liebe Caro!
      Wobei ich mir dann überlege, dass ein Kaffekränzchen mit Sex, Drugs und Rock’n’Roll eine interessante Kombination darstellt.

      „Von der Kuchenschlacht zum Gangbang“ könnte das nächste Buch von Papst a.D. Benedikt XVI werden.

      Bei dem WG-Casting wäre ich dann gerne als interessierter Beobachter dabei, ich bring auch Kuchen mit 🙂

      20. November 2014
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  4. Danny said:

    Hach ja, WG-Geschichten… immer wieder lustig.
    Super Frage, ich hätte die Frage jetzt so interpretiert, dass man (im Kontext mit dem WG-Leben) eigentlich nur falsch antworten kann.
    Kuchen: Unser Essen wäre dann nicht mehr sicher, es gibt ja WG-Bewohner die sich gern mal an den Lebensmitteln der anderen bedienen.
    Sex: Die Geräuschkulisse innerhalb der WG steigt rapide an.

    25. November 2014
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    • Flashbash said:

      Beim Kuchen Stimme ich dir durchaus zu, beim Sex nicht zwingend, der ist ja nicht immer laut 🙂

      26. November 2014
      Reply
  5. Ines said:

    Ich würde so gerne mal WG-Castings veranstalten! 😀 Glaube aber kaum, dass ich das nochmal tun werde, wird bald wieder Zeit für alleine wohnen.

    25. November 2014
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    • Flashbash said:

      Ich werde wohl eins veranstalten, wenn ich bei mir ausziehe, aber das dauert noch. Aber freu mir auch schon einen Keks 😀

      26. November 2014
      Reply

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